Eltern in Coronakrise

Wie geht es Eltern im Ausnahmezustand? Welche Folgen haben die Kita- und Schulschließung? Wir haben das per Umfrage abgefragt, innerhalb von 3 Tagen haben sich 800 Eltern zurückgemeldet.

Wir glauben, dass unsere Geschichten zu erzählen hilft, weil wir dann merken, dass es keine Einzelschicksale sind, sondern strukturelle Probleme. Mit unseren Geschichten können wir uns in der Politik Gehör verschaffen, die bisher leider lieber auf vorwiegend männliche Expert*innen hört, die von unserer Lebensrealität meilenweit entfernt sind. Wir stehen hinter den Maßnahmen für den Infektionsschutz, um Eltern aber mit den Folgen davon nicht allein zu lassen, brauchen wir mehr Unterstützung.

Unterstützung für Eltern und Infektionsschutz zusammendenken! Jetzt die Petition unterschreiben und teilen.

Was es heißt Kinderbetreuung und Arbeit(suche) unter einen Hut zu bekommen, und warum es mehr Hilfe für Eltern in der Coronakrise braucht, lest ihr hier:

Anonym – „Mein Mann ist Soldat und ich Haushaltshilfe beim Landwirt. Uns wurde die Notbetreuung verweigert . Ich arbeite 4 Tage die Woche und das kann ich nun nicht mehr, da der Kleine 6 Jahre ist. Ich habe Arge Probleme Arbeit und Kind zu schaffen da bei mir kein Homeoffice möglich ist. „

Anonym – “Ich kann nicht arbeiten (habe vor 8 Monaten mein eigenes Unternehmen gegründet), weil mein Kind meine völlige Aufmerksamkeit braucht. Mein Mann arbeitet Vollzeit von ca. 8-20 Uhr und kann mich nicht unterstützen. Zudem bin ich im 8. Monat schwanger und ich weiß nicht, wie ich die Situation weiter meistern soll. Auch nicht mit dem Neugeborenen. Das deprimiert mich sehr.”

Nicht genant – „Mein Mann wurde zwangsversetzt und muss nun statt Gleitzeit vor Ort im Schichtdienst inkl. Wochenende gehen und fährt zusätzlich 160km am Tag (mind 2 Stunden Fahrzeit). Also bin ich dann den größten Teil des Tages mit zwei Kindern (10 Monate und 4 Jahre) , Hund und Haus allein. Hinzu kommen meine Panikattacken, die ich gut im Griff hatte vor der Krise, die aber nun wieder häufiger auftreten. „

Anonym – „Meine Tochter, 4 Jahre alt, vermisst ihre Kita Freunde. Mein Arbeitgeber bietet kein Home Office an, ich bin seit dem 17.03. von der Arbeit freigestellt, erhalte aber keinen Lohn. Die Regierung zahlt für maximal 6 Wochen 67% des Nettoeinkommens. Wenn die Kitas bis August geschlossen sind, werde ich mehr als 4 Monate zu Hause sein. Die Lohneinbußen dadurch sind enorm. „

Kathleen – „Wir sind schwer gestresst: Gleichbleibendes (teilweise sogar gestiegenes) Arbeitspensum beider Erwachsener Personen im Haushalt. Keine externe Entlastung bei der Kinderbetreuung möglich. Wir arbeiten im Schichtdienst (6:00 bis 12:00) und (13:00 bis 19:00). Zeit für persönliche Pausen gibt es nicht. Um ein Arbeitszimmer einrichten zu können, hat meine ältere Tochter (4) ihr Zimmer aufgeben müssen. Wir leben auf 70 qm und die Tatsache, dass die Spielplätze geschlossen sind, macht das Leben mit zwei bewegungsfreudigen Kindern (1,5 und 4 J.) gerade nicht einfacher. Die Nerven liegen blank. Vorgestern hatte die Ältere einen Wutanfall und ich war so gestresst und ermüdet, dass ich nur mit großer Anstregung mich davon abhalten konnte, sie zu schlagen. So sieht das bei uns aus. Wenn die KITA bis 1. August geschlossen bleibt, dann muss ich jetzt in Elternzeit gehen – damit wir hier alle keinen Schaden nehmen. Aber ohne Planungssicherheit fällt es mir schwer den Antrag einzureichen – und dann kann ich ja auch erst in 6 Wochen gehen…“

Anonym – „Mein Kind ist nicht mehr in Kontakt mit Deutschsprache“

Anonym – „Meine Tage sind 18 Stunden lang. Ich arbeite 30h in Teilzeit. Ich arbeite vor der Kinderbetreuung und nach dem Zubettgehen bis 23 Uhr. Zwischendurch koche ich drei Mahlzeiten, gehe drei mal so viel einkaufen, da alle 4 Personen zu Hause sind, räume doppelt so viel auf als sonst… beschule mein großes Kind, dass in der 2. Klasse ist und noch nicht alleine arbeiten kann und und und.. es kostet so viel Kraft! Mein Mann ist Führungskraft und arbeiten 45h. Wir teilen uns die Betreuung und arbeiten abwechselnd.“

Juliane – “Zwei Kinder angemessen betreuen und eine Job adäquat zu machen, ist nicht möglich. Ich werde keiner der Aufgaben richtig gerecht und fühle mich jeden Tag, als wenn ich als Mutter und Arbeitnehmerin nicht ausreiche. Zudem ist es traurig zu sehen, wie mein Fünfjähriger einsam ist. Das wird hoffentlich keine Spuren bei ihm hinterlassen, dass er so lang ohne seine Freunde und Erzieher (ja, das sind für ihn auch wichtige Bezugspersonen) ist.”

Anonym – “Alleinerziehend, Einzelkind im Vorschulalter ohne absehbares Ende der sozialen Isolation, tgl. 6 h HomeOffice, dazu Essenkochen, Haushalt. Was stellt diese Situation mit der Seele meines Kindes an (keine Freunde treffen, keine Hobbies ausüben, sich frei bewegen können)? Wo bleibe ich als Mensch? Was ist mit unseren Grundrechten (z.B. Artikel 2 und 4)? Warum sehen Politiker wieder unsere Kinder nicht als Teil unserer Gesellschaft an? Es gibt Rettungspakete für die Wirtschaft, daran wurde zuerst gedacht. Schade, dass wieder einmal alles auf den Rücken der Erziehungsberechtigten ausgetragen wird, wir dem einfach ausgeliefert sind. Nach nunmehr 5 Wochen Kita Schließung konnte keine andere Möglichkeit gefunden werden, als diese weiterhin geschlossen zu haben? Ich zahle, bekomme keine Leistung und meine Betreuung daheim soll unentgeltlich stattfinden?”

Anonym – “Meine Kinder sind 1,5 und 3. Meine Familie ist am anderen Ende Deutschlands und der Kindsvater lebt in der Schweiz. Durch die Grenzschließung innerhalb und außerhalb Deutschlands, bekomme ich keine Unterstützung.

Tagsüber arbeiten ist unmöglich, somit bleiben mir nur die Abendstunden. Aktuell gehen meine Werktage von 7 bis 0 Uhr (ab 20/21 Uhr berufliche Arbeit). Manchmal arbeite ich länger, da ich aufgrund der Geschwindigkeit und der technischen Ausstattung zu Hause das doppelte an Zeit benötige. Das ist nicht mehr lange machbar. Der Haushalt bleibt schon längst auf der Strecke, da nun alles unter einen Hut gebracht werden muss.

Einkaufen gehen wir nur direkt zur Ladenöffnung, da man angefeindet oder schräg angesehen wird. Selbst als Mörderin würde ich schon beschimpft. Das nur, weil man anfangs, und auch jetzt noch, immer wieder betonte, dass Kinder der Träger des Virus sind.

Alleinerziehende haben es so schon schwer, aber jetzt noch dreimal schwerer.”

Anna – “Mein Mann studiert und müsste eigentlich seine Masterarbeit schreiben, ich bin Geschäftsführerin einer GmbH im kulturellen Bereich, die existenziell von der Krise betroffen ist. Zu diesen beiden beruflichen Belastungssituationen kommt nun auch noch die ganztägige Care-Arbeit von zwei Kitakindern. Wir versuchen uns mit Betreuung der Kinder und Arbeit/Studium abzuwechseln, was bedeutet, dass wir insgesamt sehr viel weniger Zeit für die Arbeit haben, uns viel schlechter konzentrieren können und dadurch auch in der Zeit mit den Kindern gestresster sind, die sowieso schon darunter leiden, keine anderen Kinder sehen zu dürfen.”

“Kann seit 16.03 nicht mehr arbeiten, da ich keine Notbetreung bekommen habe. Obwohl ich im KH als Reinigungskraft angestellt bin.”

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