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Kitakrise und kein Ende in Sicht

Die Betriebsräte der Gewerkschaft für Bildung und Erziehung in Berlin (GEW Berlin) haben einen offenen Brief an Finanzsenator Matthias Kollatz und Bildungssenatorin Sandra Scheeres (beide SPD) verfasst:

Das Wort Kitakrise ist in Berlin in aller Munde und gemeint sind damit die fehlenden Kitaplätze und das fehlende Fachpersonal. Die Berliner Politik hat sich weit aus dem Fenster gelehnt und wollte den Kitaausbau vorantreiben. Die Zusagen können jedoch nicht eingehalten werden. Die Beschäftigten in den Berliner Kitas sind permanenten Belastungen und Überlastungen ausgeliefert.

In ihrer Presseerklärung ergänzt unter anderem eine Betriebsrätin was das im alltäglichen Kitaalltag bedeutet:


„Viele Kitas sind unterbesetzt. Immer mehr unausgebildete Berufsanfänger*innen werden eingestellt, während es keine zeitlichen Ressourcen für die notwendige Einarbeitung gibt. Trotzdem werden Quereinsteiger*innen vom ersten Tag an voll auf den Personalschlüssel angerechnet. Obwohl immer weniger ausgebildetes Personal in den Kitas arbeitet, steigt die Anzahl der zu betreuenden Kinder“, erklärte eine der Verfasser*innen des Briefes, Elke Schütz, Betriebsrätin der Kinder im Kiez GmbH.


Warum verdienen Erzieher*innen so wenig?

Über 2500 Erzieher*innen & Sozialpädagog*innen protestieren nach Auswertung von den Streik-Listen gestern beim Warnstreik der GEW am Dorothea-Schlegel-Platz in Berlin-Friedrichstraße. Dazu kamen zahlreiche Eltern mit ihren Kindern und Vertreter*innen der Berliner Politik. Ein deutliches Zeichen, dass es in den Kita, Grundschulen, Jugendämtern und regionalen sozialen Diensten brennt und es keinen weiteren Aufschub für eine echte Aufwertung der Pädagog*innen geben darf.

Der RBB hat zusammengefasst warum Erzieher*innen vor allem im Vergleich mit Lehrer*innen so schlecht verdienen. Neben der komplizierten Tarifstruktur, also dass nur die Berliner Erzieher*innen nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlt werden im Gegensatz zu allen anderen Pädagog*innen in Deutschland, liegt es auch an der Trägerstruktur. Nur etwa ein fünftel aller Kitaplätze und damit aller Erzieher*innen in den Kitas sind in öffentlicher Hand in den Berliner Eigenbetrieben. Daher sind im Vergleich zu den Lehrer*innen weniger Erzieher*innen gewerkschaftlich organisiert, die nun für ein höheres Gehalt streiken können.

„Die mangelnde Schlagkraft hat auch das Elternbündnis „Kitakrise“ erkannt – und effektiv behoben. Seitdem tausende Eltern für höhere Erziehergehälter auf die Straße gehen, ist Bewegung in die Debatte gekommen. Seit dem Frühjahr 2018 setzt sich nun auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) für höhere Erziehergehälter ein – und ihren Genossen, Finanzsenator Matthias Kollatz (ebenfalls SPD), damit unter Druck.“

Helfen würde aus unserer Sicht auch eine Tarifbindung, also die Verpflichtung aller Kitas ihren Erzieher*innen den Tariflohn zu zahlen, welchen sie ohnehin jeden Monat anteilig für jedes Kind von der Verwaltung über das Kostenblatt finanziert bekommen. Kitas sollten nicht länger mit dem Geld, was für das Personal gedacht ist, die restliche Kitas gegenfinanzieren, sondern müssen finanziell so aufgestellt werden, dass es für gute Bezahlung von Personal und Miete etc. reicht!

Kinder und Personal in den Kitas leiden darunter, wenn wegen einer schlechten Bezahlung Erzieher*innen kündigen, offene Stellen unbesetzt bleiben und der Frust der Beschäftigten wächst. Gerade kleine Kinder brauchen verlässliche Bezugserzieher*innen, eine gute Bezahlung aller Erzieher*innen würde damit die Qualität der Betreuung für viele Kinder sicherstellen.

Berlin, Germany – MAY 26: Demonstrants hold a banner that reads ‚ Ich verdiene zu wenig fuer eignen KInder – I do not earn enough for own children‘ during a gathering to protest agains the recent Kita conditions (childcare facility) on May 26, 2018 in Berlin Germany. Due to a lack of qualified staff and rooms, among other things, there is currently no claim for a child care place at Berlin. (Photo:Christian Marquardt)

Solidarität mit Erzieher*innen – Kitastreik am Dienstag den 29.01.

Die GEW Berlin hat für diesen Dienstag zum Kita- und Hortstreik aufgerufen. Selbst Politiker*innen haben sich neben uns Eltern bereits solidarisch erklärt.

Auch Erzieher*innen von nicht zum Streik aufgerufenen Kitas haben sich bei uns gemeldet, inwiefern sie an dem Streik teilnehmen können und sollten. Die Aktivist*innen vom Frauenstreik haben Infos gesammelt, welche legalen Wege es in diesem Fall zum Streiken gibt. Was wir immer wieder gerne empfehlen: wendet euch an den Berliner Finanzsenator Dr. Matthias Kollatz!

Seid kreativ: ein solidarisches Foto aus der Mittagspause, ein gemeinsamer Aufruf des Kitaträgers oder Kollegiums. Am Ende profitieren alle Erzieher*innen von einem neuen Tarifvertrag, da er hohe Signalwirkung hat und die Refinanzierung der Erzieher*innengehälter beeinflusst.

Betroffene Eltern sollten spätestens jetzt ihre Arbeitgeber*innen informieren, lest hier mehr zu den Rechten und Optionen von Eltern.

Dieser Streik muss sichtbar werden

Wir sind überzeugt, dass sich jede*r der ausreichend Kitaplätze in guter Qualität möchte, sich für eine bessere Bezahlung der Erzieher*innen einsetzen sollte. Die Tarifstuktur ist kompliziert, da die Berliner Pädagog*innen nach TV-L bezahlt werden, alle anderen Erzieher*innen in Deutschland aber nach TvöD. Das heißt, dass die Berliner*innen alleine für ihr Interesse kämpfen, aber alle Bundesländer mitentscheiden können was sie verdienen.

Wer vom Kitastreik betroffen ist, sollte daher nicht vergessen, sich bei den politisch Verantwortlichen zu beschweren: Arbeitgeberseitig werden die Verhandlungen von dem Vorsitzenden der TdL, dem Berliner Finanzsenator Dr. Matthias Kollatz sowie dem stellvertretenden Vorsitzenden Reinhold Hilbers, Finanzminister in Niedersachsen und dem sächsischen Staatsminister der Finanzen, Dr. Matthias Haß geführt. Macht ein Foto oder Statement mit #kitastreik2019, dass ihr auf den Sozialen Medien teilt oder schreibt direkt eine Email and die Finanzminister!

Bringt eure Poster zum #Kitastreik mit

Wir sehen uns am:

Dienstag, den 29. Januar 2019, um 9 Uhr,
auf dem Dorothea-Schlegel-Platz am S-Bahnhof Friedrichstraße.

Offener Brief der Neuköllner Erzieher*innen an Berliner Senatsverwaltung für Bildung

Erzieher*innen setzen sich auf so vielen Ebenen für die Kinder ein, die sie betreuen. Etwa mit diesem offenen Brief an die Senatsverwaltung für Bildung in Berlin:

Offener Brief der Erzieher_innen Neuköllner Grundschulen

Es geht in dem offenen Brief, um den Wegfall der Bedarfsprüfung und der Betreuungskosten für Grundschüler*innen der Klassen 1 und 2 – damit kommen alle Kinder der ersten und zweiten Klasse ab dem 1.8.2019 in den Genuss der Nachmittagsbetreuung an den gebundenen und offenen Ganztagsgrundschulen (Hort). Raumnot, fehlende Finanzierung der Sachkosten, desaströse Betreuungsschlüssel (1:24) und (Fach)Erzieher*innenmangel verhindern eine qualitativ gute Betreuung und Förderung der Kinder.

Die Neuköllner Grundschul-Erzieher*innen fordern unter anderem deswegen:

  • Die Umsetzung der Gesetzesänderung auszusetzen, bis kindgerechte Rahmenbedingungen und entsprechende Ressourcen (genügend Personal, räumliche und finanzielle Ausstattung) geschaffen sind. Dazu gehört:
    • Einen Personalschlüssel von 1:15 zu schaffen.
    • Ein schnelleres, unkompliziertes Feststellungsverfahren für Kinder mit einem Integrationsbedarf zu entwickeln und den Schlüssel zu erhöhen.
    • Einen Ausgleich für Kolleg*innen mit Sonderstatus und in berufsbegleitender Ausbildung zu gewähren.
  • Mindestens drei Wochen verpflichtender Erholungsanspruch jährlich in den Ferien für unsere Schüler*innen gesetzlich zu sichern.
  • Echte Aufwertung der Erzieher*innen durch eine höhere Entgeltgruppe zu garantieren. Hochstufung aller Erzieher*innen in die E10!

Eltern für Erzieher*innen – Videos zur neuen Kitakrise-Kampagne

Katharina & Elise von Kitakrise Berlin erklären in diesen Videos, warum die Erzieher*innen in Berlin unsere volle Solidarität verdient haben – auch im Falle von Warnstreiks – im Zuge der aktuellen Tarifverhandlungen.

Es ist unser gemeinsames Interesse, dass der Erzieher*innen-Beruf (finanziell) aufgewertet wird.

Lest alles zu unserer Position & Forderungen auf https://kitakriseberlin.org/Tarifverhandlungen-2019

Weil ihr es Wert seid – Eltern für Erzieher*innen

Weil ihr es Wert seid: wir bereiten unsere Kampagne für eine bessere Bezahlung der Erzieher*innen vor.
Vom 21.01 bis 01.03.2019 laufen die Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgebern (Länder) unter Vorsitz des Berliner Finanzsenators Matthias Kollatz und den Gewerkschaften – es kann auch zu Kitastreiks kommen.

Die Initiative Kitakrise Berlin steht für Solidarität zwischen Eltern und Erzieher*innen. Wir wollen, dass die Erzieher*innen-Gehälter spürbar steigen. Davon profitieren wir alle: wenn es finanziell attraktiver wird Erzieher*in zu werden/bleiben, ergreifen auch mehr Menschen diesen Beruf und offene Stellen können nachbesetzt werden. Nur mit mehr Personal können Kita-Qualität steigen und neue Kitaplätze entstehen.

Mit unserer neuen Kampagne wollen wir Eltern erreichen, die Hintergründe der möglichen Kitastreiks besser zu verstehen.
Natürlich kann es schwierig sein, an Streiktagen eine Ersatzbetreuung zu organisieren. Ohne gute bezahlte Erzieher*innen werden Eltern jedoch deutlich schlechter dastehen.
Wir wollen Eltern mobilisieren sich den möglichen Kitastreiks während der Tarifverhandlungen anzuschließen. Wir wollen unsere Follower mobilisieren, Druck gegenüber dem Finanzsenator Matthias Kollatz aufzubauen das Versprechen der Berliner Regierungskoalition einzulösen, die Gehälter der Erzieher*innen zu verbessern.

Wir wollen alle Erzieher*innen ermutigen sich dem Arbeitskampf anzuschließen – (auch) als Teil der Gewerkschaften. Ob Erzieher*innen nach Tarif bezahlt werden oder nicht, wir glauben die Zeit ist (über)reif für eine bessere Bezahlung. Der Fachkräftebedarf und die Nöte der Eltern sind auch eine Gunst der Stunde für eine Aufwertung der sozialen Berufe! Wir ermutigen Erzieher*innen ihre Möglichkeiten zu nutzen für einen fairen Lohn zu kämpfen. Die Eltern stehen an und auf eurer Seite!

#Alliwantforchristmas – Unsere Wünsche an den Regierenden Bürgermeister

Wir schreiben und basteln Weihnachtskarten an Michael Müller mit unseren Wünschen für Gute Kitas und Kindertagespflege. Und zeigen durch unsere persönlichen Geschichten, was es bedeutet von der Kitakrise betroffen zu sein.

Wir fordern einen Kitaplatz für jedes Kind und bessere Arbeitsbedingungen. Wir bleiben dabei: die Kitakrise muss Chefsache werden. Es geht um die Zukunft: unsere Kinder!

Erfahre hier mehr und mach mit

Kitaplatzklagen – Eltern erhöhen Druck auf die Politik

Heute haben wir über 100 Eltern zu unserer Informationsveranstaltung „Kitaplatzklage & Co – Eltern helfen Eltern“ begrüßen dürfen – über diesen Zulauf haben wir uns wahnsinnig gefreut. Die RBB-Abendschau hat sogar einen Beitrag gedreht.

Eine Mama brachte es mit ihrem Eindruck von heute auf den Punkt: „Ich habe jetzt verstanden, dass ich mit meinem Problem nicht alleine dastehe. Und dass es nicht an mir liegt, dass ich bisher keinen Kitaplatz gefunden habe.“

Im Fahrstuhl teilt ein anderer Vater seinen Eindruck: „Berlin hatte bisher einfach nur Glück, dass so wenige Eltern geklagt haben. Es ist das Mindeste, dass die Senatsverwaltung jetzt die vollen Kosten dafür trägt, wenn wir zuhause bleiben müssen.“

Die eingeladenen Rechtsanwält*innen Anna Gilsbach, Sandra Runge und Joschka Strahmann sowie die Landeskitaelternvertreterin (LEAK) Corinna Balkow haben mir ihrer Expertise Eltern Orientierung gegeben.

Anna Gilsbach ermutigte Eltern ihren Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für ihre Kinder gerichtlich einzufordern und erläuterte, welche Unterlagen dafür nötig sind. Sandra Runge erklärte, welche Pflichten das Jugendamt hat und wie Eltern mit dem Arbeitgeber kommunizieren können, wenn sie wegen fehlenden Kitaplätzen nicht zurück zur Arbeit kommen können. Joschka Strahmann erklärte, dass der Schadensersatz bis zu 3 Jahre eingefordert werden kann. Corinna Balkow vom LEAK erläuterte wiederum, wie Eltern eine gute Kita finden und was man bei Problemen in der Kita tun kann. Dabei ging Corinna auch auf Elternmitverantwortung in den Kitas, die Rolle der Kitaaufsicht und die Funktionen des neuen Kitanavigators der Senatsverwaltung ein.

Parallel zur Veranstaltung veröffentlichten wir Musterbriefe für die Kitaplatzklage und die Zuweisung eines Kitaplatzes.

Nachdem wir fast eine Stunde überzogen haben, sind wir froh anderen Eltern geholfen zu haben. Genauso eine Veranstaltung haben wir uns immer gewünscht. Zusammen ist man einfach weniger allein. Das gilt natürlich auch für Tageseltern und Erzieher*innen. Unsere nächste Aktion ist bereits in Planung und bezieht klar Stellung – die Tarifverhandlung stehen nämlich im Janur 2019 an!

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