Warum verdienen Erzieher*innen so wenig?

Über 2500 Erzieher*innen & Sozialpädagog*innen protestieren nach Auswertung von den Streik-Listen gestern beim Warnstreik der GEW am Dorothea-Schlegel-Platz in Berlin-Friedrichstraße. Dazu kamen zahlreiche Eltern mit ihren Kindern und Vertreter*innen der Berliner Politik. Ein deutliches Zeichen, dass es in den Kita, Grundschulen, Jugendämtern und regionalen sozialen Diensten brennt und es keinen weiteren Aufschub für eine echte Aufwertung der Pädagog*innen geben darf.

Der RBB hat zusammengefasst warum Erzieher*innen vor allem im Vergleich mit Lehrer*innen so schlecht verdienen. Neben der komplizierten Tarifstruktur, also dass nur die Berliner Erzieher*innen nach dem Tarifvertrag der Länder bezahlt werden im Gegensatz zu allen anderen Pädagog*innen in Deutschland, liegt es auch an der Trägerstruktur. Nur etwa ein fünftel aller Kitaplätze und damit aller Erzieher*innen in den Kitas sind in öffentlicher Hand in den Berliner Eigenbetrieben. Daher sind im Vergleich zu den Lehrer*innen weniger Erzieher*innen gewerkschaftlich organisiert, die nun für ein höheres Gehalt streiken können.

„Die mangelnde Schlagkraft hat auch das Elternbündnis „Kitakrise“ erkannt – und effektiv behoben. Seitdem tausende Eltern für höhere Erziehergehälter auf die Straße gehen, ist Bewegung in die Debatte gekommen. Seit dem Frühjahr 2018 setzt sich nun auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) für höhere Erziehergehälter ein – und ihren Genossen, Finanzsenator Matthias Kollatz (ebenfalls SPD), damit unter Druck.“

Helfen würde aus unserer Sicht auch eine Tarifbindung, also die Verpflichtung aller Kitas ihren Erzieher*innen den Tariflohn zu zahlen, welchen sie ohnehin jeden Monat anteilig für jedes Kind von der Verwaltung über das Kostenblatt finanziert bekommen. Kitas sollten nicht länger mit dem Geld, was für das Personal gedacht ist, die restliche Kitas gegenfinanzieren, sondern müssen finanziell so aufgestellt werden, dass es für gute Bezahlung von Personal und Miete etc. reicht!

Kinder und Personal in den Kitas leiden darunter, wenn wegen einer schlechten Bezahlung Erzieher*innen kündigen, offene Stellen unbesetzt bleiben und der Frust der Beschäftigten wächst. Gerade kleine Kinder brauchen verlässliche Bezugserzieher*innen, eine gute Bezahlung aller Erzieher*innen würde damit die Qualität der Betreuung für viele Kinder sicherstellen.

Berlin, Germany – MAY 26: Demonstrants hold a banner that reads ‚ Ich verdiene zu wenig fuer eignen KInder – I do not earn enough for own children‘ during a gathering to protest agains the recent Kita conditions (childcare facility) on May 26, 2018 in Berlin Germany. Due to a lack of qualified staff and rooms, among other things, there is currently no claim for a child care place at Berlin. (Photo:Christian Marquardt)

Ein Gedanke zu „Warum verdienen Erzieher*innen so wenig?“

  1. Wow, ich finde es wirklich Klasse, was Ihr hier auf die Beine gestellt habt. Durch engagierte Menschen wie euch kann wirklich was bewegt werden.

    Habe selbst in München erlebt wie die privaten Träger, reihenweise studierte pädagogische Fachkräfte aus den osteuropäischen EU-Staaten in die teuerste Stadt Deutschland lockten, ihnen schlechte Verträge andrehten (1200 netto/Monat für eine Vollzeitstelle, bei einer Miete von ca. 700-800 Euro für ein 1-Zimmerwohnung) und sich nicht weiter darum kümmerten ihnen eine Wohnung zu beschaffen.
    Habe so selbst kostenlos eine Kollegin aus Polen mit guten Deutschkenntnissen einen Monat auf unserer Couch schlafen lassen, weil die versprochene Wohnung von meinen Ex-Arbeitgeber noch von einer anderen Kollegin bewohnt war.

    Ich habe allen ausländischen Kolleginnen geholfen eine viel besser bezahlte Stelle bei der Stadt München mit Tariflohn zu erhalten und der Option auf eine günstige Wohnung der Stadt.

    Nachdem mein Mann und ich zwei Jahre in Wien wohnten, kamen wir wieder nach Deutschland zurück.
    Hier auf den flachen bayerischen Land gibt es zu viele Ausbildungsstätten für Erzieher und zu wenige Jobs für eben diese in den Großstädten heißbegehrten Fachkräfte. So müsste ich als gelernte und studierte Pädagogin jeden Tag 3h mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (70 km) zur nächsten Arbeitsstelle pendeln, um 4h dort zu arbeiten. Da bleibe ich lieber Zuhause, denn dass was ich halbtags verdiene würde bei einen Umzug in die nächste Großstadt für die Miete draufgehen (Hier zahlen wir nur 500 Euro warm für 120qm mit großen Garten der sehr gerne von meinen 14 Monate alten Sohn genutzt wird).

    Nun einen Krippenplatz bekomme ich untern Jahr hier auch nicht, erst im September, denn hier auf den Land gibt’s ja Prozentual gesehen noch weniger Plätze…

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